Quaero: Warten geht weiter
18. Dezember 2006 – 21:27Das im April 2005 initiierte Großprojekt zur Entwicklung einer europäischen Suchmaschine lässt weiter auf sich warten. Nach einer aktuellen Meldung vom Bundestag werden in voraussichtlich zwei Jahren die ersten Teilprojekte
ausgeschrieben. Wann ich als Suchender jedoch damit einmal interessante Webinhalte und Audio-Daten finden kann, steht in den Sternen.Bereits im Mai 2006 wurden im CIO-Weblog 10 Gründe genannt, warum Quaero scheitern wird, die auf einem Beitrag eines französischen Webexperten basieren. Auch wenn der unaussprechliche Name ja noch unter die “Teletubbie-Naming-Kultur” der Web2.0 Szene fallen könnte, kann ich die
anderen Gründe durchaus unterstreichen. Vor allem die Aspekte der bürokratischen und langatmigen Entscheidungsprozesse sowie die Vielzahl der Akteure wird dazu beitragen, dass daraus nie eine brauchbare Suchmaschine werden kann. Im Suchmaschinenmarkt geht es um Schnelligkeit und Aktion.
Suchmaschinen verändern stets den Algorithmus – es ist ein Wettlauf: Spammer gegen Suchmaschine. Wenn dieser Wettkampf von einem bürokratischen Wasserkopf bestritten wird, weiß ich wer gewinnt.
Und auch das hoch gehaltene altruistische Ziel, das vorhandene Wissen zum Gemeinwohl ins Netz zu stellen und auf eine Werbefinanzierung zu verzichten, klingt zwar ehrenwert ist aber blauäugig und naiv. Was soll Quaero werden?
Ein Abschreibeobjekt, ein weiteres Steuerloch? Keine professionelle Suchmaschine, die eine Rolle im Markt spielt, kann auf Textwerbung verzichten. Man muss den Anteil der bezahlten Einträge ja nicht gleich übertreiben, wie es Yahoo! macht. Aber ein gewisser Anteil an Werbung zur Finanzierung der Server, (Wo)men-Power und Co. bedarf es wohl.
Und wenn es immer heißt: Die bösen amerikanischen Suchmaschinen-Monopolisten, Abhängigkeit und so weiter. Ja mei, die deutsche Wirtschaft und Wissenschaft hat da was verpennt. Genauso wie Chrysler es verpennt hat, spritsparende Autos herzustellen. So funktioniert die Wirtschaft. Und außerdem gibt es mit Seekport, Neomo und Exalead durchaus brauchbare Ansätze aus deutscher beziehungsweise französischer Programmierfeder. Wer braucht da noch Quaero?
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